Auf ein Wort (4/2017)

Von Roswitha Möller,

Vorsitzende des Bundes der Danziger

 

Es ist eine Besonderheit für mich, Sie als Vorsitzende des Bundes der Danziger e. V. heute auf diesem Wege zu grüßen. Ihnen ist das Danziger Heimatblatt Unser Danzig vertraut, das im Westpreußen aufgegangen ist. Seit August 2013 gibt es daneben aber auch unser Mitteilungsblatt Danzig, in dem ich mich sonst regelmäßig äußere. Die Zeit ist am Bund der Danziger nicht spurlos vorübergegangen. Im Laufe der Jahre haben wir durch Veränderungen und Verbesserungen ein neues Gesicht bekommen. Wir mussten uns auf eine neue gesellschaftliche, politische, finanzielle und personelle Situation einstellen.

 

Aber was bleibt, ist die Liebe zu unserer Heimat. Auch wir, die wir noch in der Heimat geboren wurden, diese aber aufgrund von Flucht und Vertreibung nie wirklich kennenlernen konnten, stehen zu unseren Wurzeln und unseren Vorfahren. Wir sind auf die Erzählungen unserer Angehörigen angewiesen und können auf ihre Berichte nicht verzichten. Gut, dass es noch Menschen gibt, die sich erinnern und in unseren Heimatblättern erzählen können. Genauso wichtig sind aber auch unsere Heimattreffen, die wir in der Regel noch jährlich abhalten.

 

Natürlich dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, dass etliche Orts- und Kreisverbände aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr so aktiv sein können. Nutzen wir also die Möglichkeiten, uns Gruppen anzuschließen, die noch aktiv sind und mit denen wir gemeinsame Themen finden.

 

Diese gemeinsamen Themen gibt es ;  denn auch noch nach über 70 Jahren werden Flucht und Vertreibung zum Anlass genommen für Bücher, Vorträge und Seminare. Besonders aus psychologischer Perspektive werden in jüngster Zeit die Folgen der Kriegsereignisse für die Kinder und Jugendlichen, ja auch für Säuglinge in ihrer weiteren Entwicklung erforscht. Erst im Alter, wenn man zur Ruhe kommt, werden manche Verhaltensweisen erklärbar. Wie gut, wenn man dann Menschen kennt, mit denen man sich austauschen kann, von denen man sich verstanden weiß, bei denen man sich „zu Hause“ fühlen kann.

 

Als die Danziger sich 2015 erstmalig zu einem Danziger Treffen in der Heimat versammeln konnten, war es schon ein eigenartiges Gefühl, nach 60 Jahren dort „alte“ Danziger wiederzusehen. Sie, die Westpreußen, werden ähnliche Empfindungen von Reisen in die Heimat kennen. Auch Sie wissen, wie wichtig es ist, dass wir uns ein kleines Stückchen Heimat bewahren, dass wir uns treffen, dass wir uns untereinander austauschen, dass wir miteinander „schabbern“ können, dass wir unsere Heimatzeitung lesen können.

Deshalb treffen die Danziger sich zu ihrem Tag der Danziger am 23. und 24. Juni in Lübeck. In ­einer Zeit, in der es immer wichtiger wird, zusammenzurücken, sind natürlich auch die Westpreußen herzlich willkommen. Ich brauche nicht extra zu betonen, dass die Westpreußen und die Danziger sich schon immer sehr nahe waren und das nicht nur in der Zeit, in der Danzig die Hauptstadt der Provinz Westpreußen war. Daher planen wir auch für den 6. und 7. Oktober ein Danzig-Seminar im Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf und würden uns freuen, Sie dort ebenfalls wiederzusehen !