Damals wars (4/2017)

„Fakenews“ sind heute in aller Munde. Jedoch gibt es schon seit Jahrzehnten ein Datum, zu dem sie ihren festen Platz in der deutschen Presselandschaft haben :  den 1. April. Das war 1957 beim Westpreußen kaum anders, der in seiner ersten April-Ausgabe in einer eigenen Rubrik (Mixwell-Express-Meldungen) satirische Meldungen aus den Interessensgebieten seiner Leserschaft brachte. Hierzu zählte auch die Entwicklung der westpreußischen Heimat nach Flucht und Vertreibung, auf die sich die nebenstehende „Bild-Meldung“ über die Sichtung von Pinguinen auf der Frischen Nehrung bezieht.

 

Damit – so darf angenommen werden – greift die Satire die zu dieser Zeit kursierenden besorgniserregenden Informationen über Umweltschäden und vor allem die mangelnde Wildpflege nach zwölf Jahren kommunistischer Verwaltung auf. Die Störung des ökologischen Gleichgewichts wird dabei ins Groteske verzerrt. Auch wenn dies dem heutigen Leser auf den ersten Blick anders erscheinen mag, gehört allerdings lediglich der Wunsch, die Pinguine selbst in der Heimat singen zu hören, ins Reich der Satire. Die Prämisse, „eines Tages in die Heimat [zurückzukehren]“, muss hingegen als eine damals noch für realistisch gehaltene Option verstanden werden.

 

Wie Professor Dr. Manfred Kittel vergangenes Jahr in einem vielbeachteten Beitrag für die FAZ schrieb, ermittelte 1956, noch „zehn Jahre nach Flucht und Vertreibung“, „eine Emnid-Umfrage bei 57 Prozent der Ostdeutschen die ‚bedingungslose‘ Bereitschaft zur Rückkehr in die alte Heimat ; weitere 22 Prozent knüpften diese Bereitschaft an bestimmte Bedingungen, womit zumeist andere politische Verhältnisse gemeint waren“. Für Kittel bedeutete das „nichts anderes, als dass drei Viertel der Befragten die neue Heimat noch immer gerne gegen die alte eingetauscht hätten, und das obwohl die Integration unter den Vorzeichen des Wirtschaftswunders bereits kräftig voranschritt“.

 

Hiervon zeugt, bei aller Satire, auch die Fake-Meldung des Westpreußen.