vorgestellt

 

Jahrbuch Weichsel-Warthe 2017

 

Jahrbuch Weichsel-Warthe, 63. Jahrgang, 2017, hrsg. von der Landsmannschaft Weichsel­-Warthe, zusammengestellt von einem Redaktionsteam unter der Feder­führung von Martin Sprungalla, 176 Seiten, € 10,50. Erhältlich bei der Geschäfts­stelle des Bundesverbandes der LWW, Friedrichstraße 35/III, 65185 Wiesbaden

 

Das neue Jahrbuch akzentuiert einerseits den Themenbereich 500 Jahre Reformation in Polen-Litauen ;  andererseits bildet, zwanglos angeknüpft, das Problemfeld Glaubensflüchtlinge in Polen ­einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt. Diese beiden Komplexe binden allerdings nur einen Teil der Beiträge, denn auch in diesem Jahr zeigt sich das Jahrbuch vielgestaltig, weil es unterschiedliche Texttypen in sich ver­einigt. Zum einen bietet es einen Kalender, der eine Vielzahl von Gedenktagen verzeichnet und dessen Vignetten, Porträts von Persönlichkeiten der Reformationszeit, eingehende Erläuterungen erhalten. Zum andern erfüllt es die Funktion eines Jahresberichts, in dem Verstorbene gewürdigt und Laudati­ones veröffentlich werden, in dem Foto-Serien einzelne Festveranstaltungen bzw. die ­jüngste Landeskulturtagung veranschaulichen oder auch die „Posener Begegnungsfahrt des BdV-Frauenverbandes“ geschildert wird.

 

Zum dritten trägt das Jahrbuch den Charakter einer Zeitschrift, die kleinere Beiträge zu unterschiedlichen Themen zusammenstellt. Hier reicht das Spektrum von der Migrationsgeschichte des 19. Jahrhunderts („Auschwitz und die Migration von Osteuropäern“) über spektakuläre Ereignisse wie ­einen Wandeinsturz an einem Kirchengebäude („Ein großes Unglück machte Hohensalza weltbekannt“) bis zu Skizzen von Biographien oder Einzelschicksalen („Die Zeit des späteren letzten Oberpräsidenten der Grenzmark in Hattingen a. d. Ruhr“ oder „Gestern, heute, morgen :  Vertreibung, Bleiben und Rückkehr“). Zum vierten schließlich entspricht das Jahrbuch auch den Erwartungen, die gemeinhin an eine Aufsatz-Sammlung gestellt werden. Entsprechende umfangreiche Studien liefern z. B. Forscher wie Herfried Stingl („Die Bedeutung der Gemeinsamen Deutsch-polnischen Schulbuchkommission“), Klaus Steinkamp („Die Herrschaft Oberlesnitz-Chodziesen unter den Grafen v. Königsmarck“) oder Martin Sprungala („Schlesische Kriegsflüchtlinge im Primenter Klostergebiet und der polnische Kronkrug“).

 

Der thematische Inhaltsreichtum des Jahrbuchs 2017 kann hier selbstverständlicher Weise nur exemplarisch angerissen werden. Er verspricht aber ebenso wie die variablen Perspektiven und Zugriffsweisen der Autorinnen und Autoren allen, die sich für die Heimat- und ­Lokal­geschichte dieser Region – wie freilich auch für Geschichte überhaupt – interessieren, eine abwechslungsreiche und spannende Lektüre. – Autorenkurzbiographien, die Anschriften der LWW-Organisationen und Einrichtungen sowie bibliographische Hinweise und die Liste der Jahrbuch-Paten, die die Publikation wesentlich fördern, runden den ganzen sehr gut redigierten und solide ausgestatteten Band ab.

■ Erik Fischer