Kultur-Informationen aus dem »Land am Meer« (4/2017)

Museum besteht seit 55 Jahren

Das Museum Stutthof war am 12. März 1962 gegründet worden und konnte somit im vergangenen Monat sein 55-jähriges Jubiläum feiern. Aus diesem Anlass fand am 10. März eine Tagung statt, die sich den Zukunftsperspektiven der Institution zuwandte. Sie trug den Titel :  Teste uns !  Wo befindet sich und worauf steuert das Museum Stutthof zu ? Diskutiert wurden dabei die Ziele und Entwicklungstendenzen sowohl im Blick auf die Forschung, die Bildung und den Erhalt der Gedenkstätte als auch hinsichtlich der Finanzplanung, der Renovierungskonzepte sowie aller Fragen, die mit der IT-Sicherheit verbunden sind. Das größte Vorhaben, das vom Museum zurzeit ins Auge gefasst wird, ist die Neugestaltung der Daueraustellung. Im Zusammenhang mit dem Jubiläum wurde auch ein Freiwilligen-Programm vorgestellt, das sich an alle, die sich dafür interessieren, richtet und unter dem wirkungsvollen (dem Johannes-Evangelium entlehnten) Motto steht :  Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien. Im Rahmen des Jubiläums wurde zudem der Museumsleiter Dr. Piotr Tarnowski mit der Gloria-Artis-Medaille für kulturelle Verdienste ausgezeichnet ;  und die Institution selbst verlieh auch ihrerseits wieder den Titel Freund des Museums. Diesmal bekam ihn neben anderen der Kreis der ehemaligen Häftlinge zuerkannt (von denen heute nur noch 14 leben). – In der Zeit der Volksrepublik wurde das Martyrium der im Lager eingesperrten Polen betont. Demgegenüber führt das Museum heutzutage gezielte Forschungen durch, die andere Nationalitätengruppen wie Deutsche, Norweger oder Finnen betreffen. (Zu entsprechenden, auf deutsche Häftlinge bezogenen Projekten vgl. auch DW 2/2016 sowie die vorliegende Ausgabe.) Inzwischen widmet sich das Museum nicht nur der Erforschung und Darstellung der NS-Verbrechen. Ein weiteres wichtiges Interessenfeld bildet vielmehr die Geschichte des Weichselwerders nach 1945.

 

Ein weiterer Jubilar – mit einiger Patina bedeckt

55 Jahre alt wird in diesem Jahre auch das Elbinger Kulturzentrum Światowid. Dem schon Mitte der 1950er Jahre empfundenen Mangel an einem herausragenden Ort der Kulturpflege half dieses multifunktionale Kulturzentrum ab, das nach einer mehrjährigen Bautätigkeit 1962 eingeweiht wurde und damals der Stolz der Einwohner war. Im Laufe der Jahre änderten sich das Profil und der Aufgabenbereich mehrmals. Seine Blütezeit erlebte das Zentrum im ersten Jahrzehnt seines Bestehens. Von Anfang an gab es ein Kino und ein Café, 1966 kam ein Theater dazu, von 1962 bis 1973 war dort ein Tanz- und Gesangsensemble beheimatet, und in den 1970er Jahren wurde sogar eine Discothek eingerichtet. Da Elbing bis 1975 der Woiwodschaft Danzig zugehörte, war die Zusammenarbeit von Światowid mit den entsprechenden Institutionen sehr eng. Nachdem die Stadt dann (bis 1998) zum Mittelpunkt einer eigenen Woiwodschaft geworden war, gewann das Zentrum als Koordinationsstelle für die gesamte Region einige Bedeutung. Seit 2009 trägt es nun den sehr anspruchsvollen Namen eines Zentrums der europäischen Begegnungen – Światowid. Neben zwei Kinosälen beherbergt das Gebäude eine Sporthalle, einen Ausstellungsbereich und mehrere Workshop-Räume. Zu den besonders anerkannten Veranstaltungen, die dort stattfinden, gehört das internationale Tanzfestival Baltic Cup. Mit dem halbrunden Jubiläum von Światowid kam auch der Wunsch auf, das Gebäude aus kommunistischer Zeit auszubauen – es soll um nahezu 1.900 m2 erweitert werden – und zu modernisieren. Die Renovierungskosten sollen sich auf insgesamt 15 Mio. Złoty belaufen, von denen das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe, wie es jüngst zugesagt hat, einen Betrag von 10 Mio. Złoty übernehmen will.

 

Wie stellt man ein Wunder dar ?

In der Danziger Stadtgalerie wagen zehn namhafte Künstler den Versuch, »Wunder« zu erschließen, vermittels unerschiedlicher künstlerischer Techniken etwas rational nicht Fassbares, etwas Staunenswertes zur Darstellung zu bingen. Die Ausstellung Cud (Wunder) ist am 10. März eröffnet worden und endet am 9. April. Es ist vemutlich immer riskant – und wird auch gerade in Ländern wie Polen mit einem gewissen Misstrauen beobachtet –, wenn Künstler sich religiös geprägten Themen und Motiven widmen. Die Veranstalter wollten den Begriff »Wunder« aber keineswegs auf diesen engen Bereich begrenzt sehen, sondern strebten – und, wie die Ausstellung zeigt, offenbar erfolgreich – eine große Pluralität von Konzeptionen an. Die Präsentation bildet eine wichtige Etappe eines wissenschaftlich-künstlerischen Projekts, das von der Fakultät für Malerei der Danziger Akademie der Schönen Künste durchgeführt wird. Es zielt auf eine Publikation, in der sich neben den Künstlern auch Theologen, Philosophen, Soziologen und Psychologen mit dem Phänomen des Wunders auseinandersetzen sollen.

 

Weichselwerder-Sagen auf der Mal-Leinwand

Die Weichselweder-Landschaft ist von Teufeln, Geistern, Riesen, Hexen und Nixen sowie von menschlichen Gestalten wie reichen Bauern, »gburen« genannt, oder Deichwächtern dicht besiedelt worden, und wer sich in diese Welt vertiefen möchte, sollte die Ausstellung Żuławskie symbole i barwy znaczeń w baśniach i legendach [Symbole und charakteristische Farben in Märchen und Sagen des Weichselwerder] im Tiegenhofer Weichsel­werder-Kulturzentrum nicht verpassen. Sie wird dort bis zum 30. April gezeigt und ist eine Nachlese zu einem Mal-Projekt, das vom Verein der Landgemeinde Einlage (Stowarzyszenie Jazowa) 2011 durchgeführt worden war.

❧ Joanna Szkolnicka