Kultur-Informationen aus dem »Land am Meer« (5/2017)

„Chaos“ in Elbing In der Galeria EL wird noch bis zum 7. Mai eine Ausstellung mit Werken von Ryszard Ługowski gezeigt, die den vielsagenden Titel Am Rande des Chaos [Na krawędzi chaosu]trägt. Sie gewährt als Retrospektive einen Überblick über Ługowskis künstlerisches Schaffen der letzten 20 Jahre und führt bis zu aktuellen bzw. akualisierten Installationen. Stefan Szydłowski, der Kurator der Schau, sieht eine Verwandtschaft zwischen dem künstlerischen Ansatz und dem Konzept des Chaos-Managements, das von der grundsätzlichen Überkomplexität der Wirklichkeit und dem notwendigen Scheitern längerfristiger „Sicherheiten“ ausgeht. So beziehen sich einzene Installationen z. B. auf Ereignisse der jüngeren Geschichte wie die Ermordung von Präsident John F. Kennedy oder die Terroranschläge vom 11. September 2001, die als grundstürzende Ereignisse den chaotischen Grundzug der Welt beispielhaft haben erfahrbar werden lassen. Andere Arrangements beziehen sich auf individuell-private Momente vergleichbarer Erlebnisse und sind deshalb nur in Einzelaspekten zu erschließen. Häufiger setzt der Künstler religiöse Symbole wie Minarettsäulen und Buddha-Figuren ein und verweist derart auf Gegenkräfte eines ganzheitlichen oder meditativen Sinnverstehens. Durch eine Vielzahl von Sanduhren wird zudem wohl die Unwiderruflichkeit der rasch vergehenden Zeit veranschaulicht, und Video-Aufnahmen des Mondes deuten beispielsweise auf die vordergründig verlässliche „Ordnung“ des Kosmos hin, die aber keineswegs als absolut stetig und ungefährdet verstanden werden darf. In jedem Falle bietet Ługowski den Betrachtern einen weiten Spielraum für eigene Sichtweisen und Interpretationen.

 

Künstlerische Revolutionen Mit der Ausstellung von Werken Emil Noldes (1867–1956) beginnt das Danziger Nationalmuseum einen neuen Zyklus, der „Revolutionäre in der Kunst“ thematisiert. Das Museum besitzt zwölf Werke (zehn Stiche, ein Aquarell und ein Gemälde) von diesem Künstler, der einen eigenständigen Weg einschlug und sich keineswegs nur den Vertretern des „Expressionismus“ zurechnen lässt. So war er zu gewissen Zeiten mit mehreren künstlerischen Gruppen – wie z. B. dem „Blauen Reiter“ – verbunden, verfolgte aber unbeirrt die Entwicklung eines individuellen Stils. Dabei kam er auch in die Nähe zum Nationalsozialismus, denn auch er ging von einer Überlegenheit der „germanischen“ Kunst gegenüber derjenigen anderer Völker aus. Gleichwohl fand er bei den meisten der NS-Führer keine Förderung und wurde sogar zu einem Exponenten der sogenannten „entarteten“ Kunst. Eine der Hauptattraktionen der Ausstellung, die bis zum 21. Mai geöffnet ist, bildet ein Porträt der dänischen Schauspielerin (und ersten Ehefrau des Künstlers) Ada Vilstrup.

 

Entschleunigung des Betrachters Seit dem 23. April regen eine Reihe von Museen, Galerien und anderen Kultureinrichtungen in Polen die Besucher dazu an, Kunst ohne die sonst häufige Hektik zu betrachten – und somit tatsächlich zu genießen. Forschungen haben ergeben, dass einzelne Kunstwerke im Durchschnitt nur acht Sekunden lang wahrgenommen werden, weil sich bei einem Rundgang immer wieder der Zwang einstellt, wenn schon nicht „alles“, so doch möglichst vieles zu sehen. Der Besuch ähnelt deshalb einem kraftzehrenden Marathonlauf, nach dem man das Museum frustriert und mit einer verwirrenden Fülle ungeordneter Eindrücke verlässt. Deshalb wird den Besuchern angeboten, sich auf nur fünf Exponate zu konzentrieren. Museumsmitarbeiter erläutern den Betrachtern die ausgewählten Exponate, verwickeln sie in ein Gespräch und animieren sie zum Nachdenken. Anschließend ist ein Treffen der Teilnehmer in lockerer Atmosphäre vorgesehen, durch die eine gemeinsame Diskussion der Eindrücke und Erfahrungen gefördert werden soll. Dieses Konzept realisieren in Danzig neben anderen das Bernsteinmuseum, der Artushof und die im Grünen Tor beheimatete Abteilung des Nationalmuseum.

 

Nacht der Museen    Auf abwechslungs­reiche Nachtstunden können sich alle Freunde der Kunst, Kultur und Wissenschaft wiederum im Mai – diesmal am 20. 5. – einstellen. Bislang ist noch nicht bekannt, ob sich auch das Danziger Museum des Zweiten Weltkriegs an den Veranstaltungen beteiligen wird. Die Europäische Museumsnacht im Land am Meer bietet wieder mannigfache Möglichkeiten, den Reichtum der Region an kulturellen Attraktionen zu entdecken, und zwar nicht nur in den größeren Städten, sondern gerade auch in kleinen Orten wie Rahmel, Zuckau oder sogar Groß Trampken (Trąbki Wielkie).

 Joanna Szkolnicka