Notizen aus … (5/2017)

Danzig

 

Rettung für die Marienkirche Endlich beginnen – nach Mitteilung von Prälat Ireneusz Bradtke – die schon längst angemahnten Renovierungsarbeiten an der Marienkirche. Hierbei handelt es sich um die umfangreichsten Ausbesserungsarbeiten seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Danziger Bischof erhielt die dafür notwendigen Mittel aus dem EU-Programm zum Erhalt von historisch wertvollen Objekten. Die Maßnahmen umfassen beispielsweise die Erneuerung einzelner Wandpartien, tragender Elemente und der gesamten Dachkonstruktion. Als Zeitrahmen sind 18 Monate angesetzt worden, und die Kosten belaufen sich auf 14 Mio. Złoty.

 

Neues Dom-Umfeld Unmittelbar neben dem Dom von Oliva will die Stadt eine gänzlich neue Siedlung errichten. Zurzeit macht die Gegend zwischen der Kirche und den Parkanlagen einen eher ungepflegten Eindruck, denn die dortige Wohnbebauung stammt noch aus der Vorkriegszeit, ist äußerst sanierungsbedürftig und steht zum großen Teil leer. Zudem liegen dazwischen auch vielfach verwilderte Schrebergärten. Die geplante Neubaumaßnahme wird somit die Attraktivität des gesamten Ensembles für die zahllosen Besucher aus aller Welt erheblich erhöhen.

 

Rekordbesuch von Kreuzfahrtpassagieren angepeilt In dieser Saison werden in Danzig 67 Kreuzfahrtschiffe mit über 30.000 Passagieren erwartet. Als erstes Schiff der Saison lief am 21. April die National Geographic Explorer ein. Gdingen rechnet sogar mit 70.000 Passagieren, die auf 45 Schiffen ankommen werden. Der Star unter ihnen ist

die Norwegian Getaway, nicht nur eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, sondern auch das größte, das jemals einen Ostseehafen angelaufen hat. Die Ankunft ist für den 23. Juni vorgesehen. Das Schiff hat eine Länge von 325 m, kann 4.000 Passagiere aufnehmen und fährt unter der Flagge der Bahamas.

 

Mit der Bonawentura auf Törn Das zurzeit älteste Danziger Segelschiff wird in diesem Sommer erneut die Kieler Woche und die Hanse Sail in Rostock besuchen. Die Ketsch Bonawentura entstand 1948 als hölzernes Fischereiboot vom Typ MIR-20a in der nach dem Kriege gerade erst wiederhergestellten Danziger Werft, wurde 1992 zu einem Segelschiff umgebaut und 2013 noch einmal generalüberholt. Das Ehepaar Zalewski, die Eigentümer der Reederei Blauer Peter, betreibt mit dieser 68 Jahre alten Yacht und weiteren Fahrzeugen eine Segelschule und bietet auf ihren Törns auch zweiwöchige Segelkurse an, die bis in die Nordsee hinaus führen (www.bonawentura.pl). Daniel Zalewski wurde auf Vorschlag eines Fachgremiums 2013 durch den Danziger Stadtpräsidenten mit der Verleihung des »Maritimen Briefs« geehrt, durch den eine herausragende, auf einer vorbildlichen ethisch-moralischen Grundhaltung beruhende sportliche Gesinnung ausgezeichnet wird.

 

Sehenswürdigkeiten nach Bedarf Im kommenden Sommer wird neuerlich eine – aus anderen europäischen Städten schon seit längerem vertraute – „Hop-on-Hop-off“-Tour angeboten : Cabrio Doppeldecker-Busse machen die Teilnehmer mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt bekannt, steuern während des Rundwegs, der jeweils am Kohlenmarkt (Targ Węglowy) beginnt und endet, aber 20 Haltestellen an, an denen ein Aus- bzw. Zusteigen möglich ist, so dass die Touristen flexibel eigene Schwerpunkte setzen können. An Bord steht ein Informationssystem in sieben verschiedenen Sprachen zur Verfügung; die Fahrzeit der Gesamtroute beträgt 45 Minuten, und der Preis beläuft sich auf 45 Złoty (etwa € 10).

 

Mit dem Fahrrad um die Welt Auf die Spuren des Journalisten und Abenteurers Heinz Helfgen, der Mitte der 1950er Jahren mit seinem spannenden Bericht Ich radle um die Welt große Beachtung fand, begeben sich fünf junge Elbinger Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Zu ihrer auch heute nicht alltäglichen Radtour starten sie am 27. Mai von Danzig aus, und zwar mit dem Ziel, am (alle vier Jahre durchgeführten) Internationalen Pfadfinder-Treffen (World-Scout Jamboree) teilzunehmen, das 2019 vom 22. Juli bis zum 2. August in West Virginia (USA) stattfinden wird. Diese Idee verfolgt die Gruppe, wie eines ihrer Mitglieder, Anna Sledzinska, der Presse erläuterte, schon seit zwei Jahren, als sie 2015 ebenfalls schon mit dem Fahrrad zur Vorgängerveranstaltung in Japan gereist war. Die jetzige Route führt zunächst über Weißrussland, die Ukraine, Armenien, Iran, Aserbaidschan, Kasachstan, die Mongolei und Russland, wobei der zugefrorene Baikalsee überquert und das winterliche Sibirien bei bis zu 50 Minusgraden durchfahren werden; danach geht es an Bord eines Eisbrechers über die Beringsee nach Alaska, und daran soll sich ein längerer USA-Aufenthalt anschließen.

 

Auszeichnung für Bergung eines Flugzeugwracks 

In DW (4/2016) ist im Zusammenhang mit einem aktuellen Fund bereits erwähnt worden, dass Ende 2014 das Wrack eines im April 1945 abgeschossenen US-Bombers vom Typ Douglas A-20 aus der Danziger Bucht geborgen und späterhin dem Polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau übergeben worden war. Für diese Bergung sind im Nationalen Maritimen Museum jetzt zwei polnische Marineoffiziere ausgezeichnet worden. Für ihre Verdienste um die polnische Kultur wurden Korvettenkapitän Woj­ciech Prys , der Kommandat des Bergungsschiffes ORP Lech, sowie Kapitän zur See Paweł Juśkiw, der Leiter der Unterwasserarbeiten, geehrt.

 

Unbekannte Schiffswracks geortet Das Vermessungsschiff der polnischen Marine, die ORP Arctowski, hat mit einem neuen sonografischen Verfahren bzw. DTM (Digital Terrain Model) in einem Seegebiet nördlich von Hela bisher nicht bekannte Positionen von Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg lokalisieren können. Neben einem deutschen U-Boot konnte auch die Lage des Deutschen Torpedoboots M85 identifiziert werden, bei dem es sich laut Archiv­unterlagen um den einzigen deutschen Verlust beim Kriegsbeginn im September 1939 handelt.

 

Besserer Schutz für Nachtschwärmer  Aufgrund von häufigeren Übergriffen und Ausschreitungen vor und in Zoppoter Nacht- und Tanzlokalen haben die Besitzer von 17 solcher Betriebe mit der Stadtverwaltung eine Vereinbarung geschlossen, in der sie sich verpflichten, zukünftig nur Gäste einzulassen, die älter als 21 Jahre sind bzw. einen Studentenausweis vorzeigen können. Zudem sollen der private Sicherheitsdienst verstärkt und die Kommunikation mit der örtlichen Polizei verbessert werden.

 

Amokfahrt in der zweiten Instanz ?  Vor fast zwei Jahren hatte sich auf dem Zoppoter Seesteg eine spektakuläre Amokfahrt ereignet. Ein damals 32-Jähriger hatte mit seinem Kraftfahrzeug alle Barrieren durchbrochen, war rücksichtslos den Seesteg entlang gerast und hatte dabei 23 Personen zum Teil schwer verletzt. Daraufhin wurde er durch das zuständige Gericht auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Der Verteidiger versucht jetzt einen Revisionsprozess anzustrengen, von dem er für seinen Mandanten einen Freispruch erhofft.

■ Peter Neumann

 

 

Elbing

 

Polnische NATO-Beteiligung Eine Unterabteilung der 16. Pommerschen Panzerdivision wird von Elbing nach Lettland verlegt. Sie gehört dann zu einem internationalen, unter kanadischem Befehl stehenden NATO-Bataillon, dessen Einrichtung beim Gipfeltreffen des Bündnisses 2016 in Warschau beschlossen worden ist und dem außer Kanadiern und Polen Soldaten aus Albanien, Italien und Slowenien angehören werden.

 

Strikte Ausländerpolitik 16 Ausländer sind aktuell von den Behörden ausgewiesen worden. Die Ausweisungsbeschlüsse ergeben sich aus Grenzschutz-Kontrollen von Personalpapieren und der Überprüfung von Arbeitsgenehmigungen. Von den Entscheidungen sind elf Ukrainer, zwei Chinesen, zwei Serben sowie ein türkischer Staatsbürger betroffen. Die Ausweisungen sind mit Verboten einer Wiedereinreise nach Polen für eine Dauer von sechs Monaten bis drei Jahren verbunden.

 

Neue Straßenbahnen Die Stadtverwaltung von Elbing will 5,7 Mio. Złoty für drei neue Niederflur-Straßenbahnen ausgeben. Dabei hofft die Stadt auch auf die Zuweisung von EU-Geldern. Die öffentliche Ausschreibung liegt bereits vor. Die Gelenkzüge sollen energiesparend ausgelegt sein und über eine Sicherheitsfahrschaltung zur Auslösung einer Notfallbremse verfügen.

 

Pilze mit Aussicht Das Forstamt Elbing errichtet in Succase (Suchacz) in der Nähe des Haffschlöss­chens und des Carl-Pudor-Denkmals einen Rastplatz mit Sitzbänken, Schutzpilzen, Informationstafeln und einer Feuerstelle. Von dort lässt sich zudem ein Panoramablick auf das Frische Haff genießen. Die Bauarbeiten sollen bis Anfang Mai abgeschlossen sein.

 

Wieder in Betrieb Die Mechanik im Maschinenhaus des Rollbergs Buchwalde (Buczyniec), über deren notwendige Reparatur in der vorhergehenden DW-Ausgabe (4/2017) berichtet worden ist, konnte rechtzeitig in Stand gesetzt werden: Seit dem 26. April konnten Probefahrten durchgeführt werden, und mit dem Saisonbeginn, am 1. Mai, ist der Betrieb auf dem Oberländischen Kanal wieder aufgenommen worden.

■ Lech Słodownik

 

Marienburg

 

Vizebürgermeister besuchte die Ukraine 

Gemeinsam mit Prof. Wiesław Olszewski, dem Rektor der Bromberger Hochschule für Ökonomie mit einer Außenstelle in Marienburg, fuhr Vizebürgermeister Jan Tadeusz Wilk in die ukrainischen Städte Lemberg und Skole. Zahlreiche Marienburger Bürger stammen aus diesen beiden Städten und haben dorthin noch enge verwandtschaftliche Bindungen. Seitens des Vizebürgermeisters ging es in Gesprächen mit den dortigen politisch Verantwortlichen vorrangig um eine Pflege der guten wechselseitigen Beziehungen und um die Zusammenarbeit auf dem Feld des Tourismus. Prof. Olszewski warb für die Errichtung einer weiteren Filiale der Bromberger Hochschule für Ökonomie in der Stadt Skole. Überdies nahmen Jan Tadeusz Wilk und er in Huta Pieniacka an der Gedenkfeier für die bis zu 1.200 Polen teil, die in diesem Dorf, das während des Zweiten Weltkrieges noch zur damaligen Woiwodschaft Tarnopol gehörte, von den deutschen Besatzern am 28. Februar 1944 ermordet worden sind.

 

Plan für ein „Marienburger Stadtmuseum“ wieder aktuell? Schon 2006 hatte der damalige Bürgermeister Wilk vor den Angehörigen des Heimatkreises Marienburg Überlegungen angestellt, wieder ein Stadtmuseum einzurichten ;  denn – so führte er damals aus – die jetzigen Bürger der Stadt stammten überwiegend aus der Ukraine, aus Litauen sowie Süd- und Westpolen und ihnen sei, gerade weil sie über keine eigenen familiengeschichtlichen Rückbindungen verfügten, ganz besonders an Kenntnissen über die Geschichte ihrer Stadt gelegen. Zudem bat er damals schon die ehemaligen Marienburger um ihre wohlwollende Unterstützung dieses Vorhabens. Obwohl dieses Thema eigentlich immer wieder auf den Agenda erschien, trat man hinsichtlich einer Realisierung stets auf der Stelle. Nun allerdings ist unerwarteter Weise plötzlich Bewegung in diese Angelegenheit gekommen: Die Stiftung Mater Dei, der die erfolgreiche Wiedererrichtung der Muttergottesfigur an der Schlosskirche zu verdanken ist, hat sich dieses Plans angenommen und bereits Gespräche mit interessierten Bürgern sowie mit Vertretern der Stadt Marienburg und der Woiwodschaft geführt. Als geeignete Standorte des Museums werden das Jerusalem-Hospital, der Wasserturm und das – für diesen Zweck vermutlich besonders geeignete – Alte Rathaus genannt.

 

Denkmäler im Wettbewerb Alljährlich organisiert das Institut für Nationales Gedenken unter dem Patronat des Polnischen Kulturministeriums einen Wettbewerb, bei dem besonders gut gepflegte Denkmäler prämiert werden. An dieser Konkurrenz wird sich Marienburg 2017 mit der renovierten Schlosskirche, der mittelalterlichen Stadtmauer und dem Jerusalem-Hospital beteiligen.

Als „gut gepflegtes Denkmal“ preisverdächtig: Das Jerusalem-Hospital nach der Renovierung 2014

 

Kunst- und Antiquitätenmesse auf dem Plauen-Bollwerk  Wegen des großen Erfolgs im vergangenen Jahr wird auch 2017 eine von der Stadtverwaltung finanziell geförderte Kunst- und Antiquitätenmesse veranstaltet, bei der z. B. Gemälde, Plastiken, Schmuck, Bücher, Dokumente oder Kameras zum Kauf oder Tausch angeboten werden können. Organisator ist der Marienburger Kulturverein unter der Leitung von Waldemar Klawiński, der bei einer Standgebühr von 20 Złoty neuerlich auf eine große Zahl von Ausstellern aus der Stadt und dem Landkreis hofft.

 

Marienburger Job-Messe Das Arbeitsamt des Landkreises veranstaltete für die vielen dort gemeldeten Arbeitslosen eine Job-Messe, die von den Arbeitsämtern der Städte Danzig, Elbing, Dirschau und Tiegenhof tatkräftig unterstützt wurde. Die professionellen Berater boten dabei auch freie Arbeitsplätze im europäischen Ausland an.

 

Philatelistischer Leckerbissen In Zusammenarbeit mit dem Leiter des Postamts 1, Kazimierz Laska, haben der Marienburger Briefmarkensammler-Verein und sein Vorsitzender Jerzy Zimnicki der stadthistorischen Edition, die drei verschiedene Portale alter Eisenbahn- und Straßenbrücken gezeigt hat (und die von DW in der Januar-Ausgabe vorgestellt worden ist), einen weiteren Dreiersatz hinzugefügt. Dessen Motive bilden die Hohen und die Niederen Lauben. Diese besonders charakteristischen Straßenzüge der Altstadt sind durch die Kriegseinwirkungen sowie durch den anschließenden rigorosen Umgang mit den Trümmern und den Verzicht auf jegliche Rekonstruktionsversuche gänzlich untergegangen. Die Marken tragen somit dazu bei, dass die Erinnerung an dieses eindrucksvolle Gebäude-Ensemble – und mithin an die Stadt vor 1945 – wachgehalten wird. – Briefmarken, Ersttagsbriefe (FDC) oder andere Sammlerstücke sind im Postamt 1 erhältlich oder können auch per E-Mail

(kazimierz.laska@poczta-polska.pl) bestellt werden.

 

Brücke bleibt weiterhin geschlossen Hinsichtlich der Dirschauer Weichselbrücke konnten die Räte des Landkreises bei einer außerordentlichen Sitzung keine Einigung über die Finanzierung der Wiederherstellungs-kosten erzielen. Davon sind insbesondere die Bürger der Orte Lichtenau und Neuteich betroffen, die täglich zur Arbeit nach Dirschau pendeln und weiterhin große Umwege werden in Kauf nehmen müssen. Allerdings besteht immer noch die Hoffnung, dass der Landkreis Marienburg im Haushaltsjahr 2018 die entsprechenden notwendigen Mittel bereitstellen wird.

 

Auf anderen Wegen ans Meer Die im letzten Jahr für die Wochenenden der Sommermonate Juli und August eingerichtete Busverbindung zwischen Marienburg und Steegen (über die DW 8/2016 berichtete), wird 2017 nicht wieder aufgenommen. Zum ­einen haben modifizierte Verwaltungsvorschriften den Einsatz öffentlicher Verkehrsmittel über die Gemeindegrenzen hinaus neu geregelt ;  zum andern war der Betrieb für die Busunternehmer wirtschaftlich nicht sonderlich ertragreich :  Es gibt mittlerweile sehr viele Besitzer von Privatwagen, die auch Mitfahrgelegenheiten zur „Marienburger Badewanne“ anbieten. Die Polnische Eisenbahn (PKP) bietet ihrerseits Rückfahrkarten von Marienburg nach Gdingen – mit Zwischenstopps in Danzig, Oliva und Zoppot – zum Preis von 16 Złoty an. Gegenwärtig verkehren zwischen 7.00 und 15.00 Uhr acht Züge, zu denen während der Sommermonate noch weitere Zugpaare hinzukommen sollen.

  ■ Bodo Rückert

 

Thorn

 

„Exploseum“ ausgezeichnet Während der Messe Tour Salon 2017 in Posen ist am 17. Februar der Preisträger des Wettbewerbs um das Zertifikat des besten touristischen Projekts in Polen bekanntgegeben worden. Für das Jahr 2016 erhielt das Bromberger Exploseum diese begehrte Auszeichnung. Es wurde im Jahre 2011 als Zweigstelle des Kreismuseums gegründet und ist in Gebäuden der ehemaligen DAG-Fabrik Bromberg untergebracht. Dort hatte die DAG, die Dynamit Nobel Aktiengesellschaft, zwischen 1942 und 1945 eine Massenproduktion kriegswichtiger Sprengstoffe betrieben. Für die Ausstellungszwecke eingerichtet, bietet das Exploseum (www.exploseum.pl) nun eine faszinierende interaktive Ausstellung zur Geschichte der Militärtechnik. – Das Museum gehört jetzt zu einer erlesenen Gruppe von bislang zehn touristischen Attraktionen auf dem Gebiet der Woiwodschaft Kujawien-Pommern, denen dieses Zertifikat bereits in früheren Jahren zuerkannt worden war – darunter das Bella Skyway Festival und das Lebendige Pfefferkuchenmuseum in Thorn, Kulm, die „Stadt der Verliebten“, die Mühleninsel in Bromberg oder das internationale, in Thorn und Bromberg stattfindende Filmfestival Camerimage.

 

Jakobswege Am 29. März trafen sich in Thorn Vertreter von Regionen und Organisationen aus Spanien, Portugal, Italien, Belgien, Deutschland, Litauen und Frankreich, die zur Europäischen Föderation der Jakobswege gehören. Nach dem offiziellen Treffen mit dem Marschall der Woiwodschaft, Piotr Całbecki, befasste sich die Versammlung mit der Gewinnung von EU-Mitteln für die Popularisierung der Jakobswege. Am nachfolgenden Tag besuchten die Gäste wichtige Orte des durch Kujawien-Pommern verlaufenden Weg-Abschnitts im Kreis Gollub-Dobrin, u. a. Ciechocinek, Lygischau (Elgiszewo) und Szafarnia. – Nachdem die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wiederbelebt worden waren und die UNESCO den spanische Hauptweg schon 1993 in ihre Liste der Welterbestätten aufgenommen hatte, entstanden seit 2005 auch in Polen Wege für die Jakobspilger. Sie eröffnen eine weitere Chance, den Tourismus zu fördern, und zwar gerade auch für kleinere Ortschaften, die sonst im Rahmen des Fremdenverkehrs kaum Beachtung fänden.

 

Die Weichsel wieder schiffbar? Vom 19. bis zum 27. April ist auf der Weichsel ein Forschungsschiff von Danzig bis nach Warschau gefahren. Ziel dieser Initiative war die Werbung für den ökologisch sinnvollen und preiswerten Gütertransport auf dem Wasserweg und die wirtschaftliche Nutzung der Flüsse. Am 19. April startete die über 70 m lange, mit 20 Containern beladene Barke im Danziger Hafen, legte jeweils in Dirschau (20.), Graudenz (21.), Bromberg (22.) und Schulitz (23.) an und machte am 24. April in Thorn fest. Von dort aus ging es nach Leslau (25.), Plotzk (26.) und schließlich am 27. April nach Modlin (Nowy Dwór Mazowiecki). Als Talfahrt vollzog sich die Rückreise dann innerhalb von nur vier Tagen. In den einzelnen Städten wurden Treffen mit verschiedenen Arbeitsgemeinschaften der Wasserwirtschaft sowie Informationsveranstaltungen für die Einwohner organisiert. Unterwegs führten Studenten der Kazimierz-Wielki-Universität in Bromberg und Mitarbeiter der Regionalen Wasserwirtschaftsverwaltung in Danzig wissenschaftliche Untersuchungen durch. – Das gesamte Unternehmen war Teil des mehrjährigen, von der EU geförderten interregionalen Ostseeprojekts Emma, bei dem sich das in Bremen beheimatete Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) gemeinsam mit weiteren 20 Projektpartnern aus Deutschland, Schweden, Finnland, Polen und Litauen für die Stärkung der Binnenschifffahrt im Ostseeraum einsetzt. In diesem Rahmen werden von der Woiwodschaft Kujawien-Pommern und der Stadt Bromberg auch vorbereitende Studien über den Bau eines modernen Flusshafens zwischen Bromberg und Schulitz angestellt.

■ Piotr Olecki

 

Bromberg

 

Kammerorchester begeht 55. Gründungsjahr Am 29. März feierte die Capella Bydgostiensis in der Bromberger Philharmonie das 55. Jubiläum ihres Bestehens mit einem Konzert, dessen historisch weit gespanntes Programm von Komponisten des Frühbarock und Antonio Vivaldi über Wolfgang Amadeus Mozart bis zu Wojciech Kilar reichte. Die Leitung hatten Stanisław Gałoński, der zu den Mitbegründern des Orchesters zählt, sowie der jetzige Dirigent, José Maria Florêncio. Die Capella Bydgostiensis, die 1962 auf Initiative von Andrzej Szwalbe, dem damaligen Direktor der Pommerschen Philharmonie, gebildet wurde, entwickelte sich rasch zu einem führenden, auch international beachteten Ensemble für die Interpretation Alter Musik. Die Mitglieder wurden mit der vom Marschall der Woiwodschaft verliehenen Medaille „Unitas Durat Palatinatus Cuiaviano-Pomeraniensis“ geehrt.Piotr Olecki

 

Flaschenpost In einem Gebäude der UTP, der Bromberger Hochschule für Technik und Life-Sciences (Uniwersytet Technologiczno-Przyrodniczy w Bydgoszczy), wurde bei einer Dachstuhl-Renovierung ein interessanter Fund gemacht. Arbeiter endeckten ein Blechbehältnis, das die Aufschrift „Julius Kühnell, Klempnermeister, Bromberg, Luisenstraße 15–16“ trägt und in dem sich ein handgeschriebener Zettel vom 3. August 1907, eine Visitenkarte des Klempnermeisters Kühnell sowie eine Ausgabe der „Illustrierten Zeitung für Blechindustrie“ vom 28. September 1906 befanden. Das Gebäude auf der sogenannten Naumannshöhe im Stadtteil Prinzenthal (heute Wilczak) war in den Jahren 1905 bis 1907 von den Architekten Lehwesse und Heumann als katholisches Lehrerseminar errichtet worden (und diente diesem Zweck auch in der Zwischen- und Nachkriegszeit, bevor dort seit 1966 Abteilungen der Universität untergebracht wurden). Zu jener Zeit hatte somit – von der Funktion her einem Grundstein, in diesem Falle allerdings noch eher einer Flaschenpost vergleichbar – einer der beteiligten Handwerksmeister seine Tätigkeit für eine spätere Zeit dokumentiert. Die Unterschriften, mit denen sich auch die anderen Bauhandwerker auf dem Papier „verewigt“ hatten, sind nur schwer zu entziffern, die Zeitung hingegen ist außerordentlich gut erhaltenen. Sie wurde seinerzeit vom Verlag und Druckhaus F. Stoll jun. aus Leipzig mit einer Zweigstelle in Breslau herausgegeben. Die in dem Behältnis gefundene Nr. 39 enthält neben mehreren Aufsätzen zu technischen und praktischen Themen seitenweise Anzeigen von Firmen aus dem gesamten damaligen Reichsgebiet. Sie wird jetzt in der Bibliothek der UTP aufbewahrt.

 

Schwerer Verkehrsunfall In der Woche vor Ostern kam es in der Nähe des Busbahnhofs auf der früheren Wilhelmstraße (ul. Jagiellonska) zu einem folgenschweren Verkehrsunfall. Ein Überlandlinienbus der PKS rammte im Kreisverkehr eine Straßenbahn. Sie wurde durch den Aufprall aus den Schienen gehoben. 17 Personen wurden verletzt ; 15 von ihnen mussten zur stationären Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der gesamte Verkehr wurde in diesem Bereich fast zehn Stunden lang beeinträchtigt. Es könnte sein, dass der Unfall durch eine Fehlschaltung der Ampeln ausgelöst worden ist. Staatsanwaltschaft, Polizei und Stadtverwaltung haben ihre Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen.

 

Sportgroßereignis Nach den Leichtathletik-Junioren-Weltmeisterschaften im Jahre 2016 werden nun in kurzer Folge zwei weitere große Sportereignisse stattfinden. Vom 16. bis zum 30. Juni ist Polen Gastgeber der U-21-Fußball-Europameisterschaft. Neben Lublin, Kielce, Krakau, Tichau (Tychy) und Gdingen ist auch Bromberg einer der Austragungsorte, und zwar für die Vorrundenspiele der Gruppe B (Portugal, Serbien, Spanien, Mazedonien). Leider gehört die deutsche Mannschaft, die als eine der Favoriten gilt, nicht zu dieser Gruppe, sondern trägt ihre Spiele in Tichau und Krakau aus. Nur einen Monat später findet – in der Zeit vom 13. bis zum 16. Juli – dann im Zdzisław-Krzyszkowiak-Stadion zum zweiten Male nach 2003 die (11.) U-23-Leichtathletik-Europameisterschaft statt. – Beide Ereignisse werden viele junge Sportler, aber auch ­Zuschauer aus ganz Europa in die Brahe-Stadt bringen und Bromberg – nicht zuletzt auch verstärkt durch das große mediale Interesse an diesen Sportveranstaltungen – die Chance eröffnen, sich einem breiten internationalen Publikum als moderne, weltoffene und touristisch attraktive Stadt zu präsentieren.

■   Ulrich Bonk